Michael Hull zu Gast – Tanzen als Medizin im Bad Iburger Franziskushaus

Bad Iburg. Manchmal wiegen sich die rund 20 Senioren einfach im Takt – seit Ende Mai beim wöchentlichen Tanztee der Tanzschule Hull im St.-Franziskus-Haus der Caritas. Das Pilotprojekt wird aus 20.000 Euro der St.-Nikolaus-Stiftung finanziert.

Die Stiftung fördert in Not geratene Menschen mit Angeboten, die aus dem Alltagsrahmen fallen, so der Geschäftsführer der „Franziskus-Haus Caritas – Gemeinnützige Pflege GmbH“, Günter Sandfort. „Dieses Projekt hat ein Alleinstellungsmerkmal“, betonte er beim Besuch von Michael Hull, dessen Tanzschule es realisiert. Bis Jahresende laufe es zunächst, wird aber schon als Erfolg gehandelt: „Es ist zukunftsfähig.“ „Mit roten Wangen und strahlenden Augen kommen unsere Bewohner jeden Donnerstag aus dem Gemeinschaftsraum, in dem Daniela Glatzel die Tanzstunde anbietet“, sagte Einrichtungsleiterin Annette Niederwestberg. „Da wird zu Musik von Conny Froboess oder Bully Bulahn getanzt.“

Pflegerin und Tanzlehrerin

Von halb bis Viertel nach vier motiviert Sporttanz- und Kindertanzlehrerin Glatzel die pflegebedürftigen Teilnehmer, die hier seit 2014 in fünf Hausgemeinschaften wohnen, sich zu vertrauter Musik zu bewegen – so, wie es jedem möglich ist. Seit 2005 hat sie in Bad Essen in der Altenpflege gearbeitet, bevor sie 2009 in der Caritas-Senioreneinrichtung in Wellingholzhausen begann.

2012 startete sie ihre dreijährige Ausbildung zur Tanzlehrerin. „Es passt alles zusammen. Ich weiß, wie ich mit den Senioren umgehen muss“, sagte die Tanzlehrerin, die die Musikauswahl mit den Senioren getroffen hat – und mithilfe ihrer Schwiegermutter. Selbst kenne sie sich besser mit lateinamerikanischen Rhythmen aus – sie stammt aus Brasilien. „Da habe ich das Tanzen schon im Blut. Ohne geht es nicht“, sagte sie. Und die Senioren? „Wir merken, dass manche früher richtig Tanzstunden hatten. Aber alle können tanzen.“

Neue Ziele und Lebensfreude

Jeder und jede auf eigene Art. Arme vor, die Hände geschlossen und wieder gespreizt, machte Daniela Glatzel mit der Tanzgruppe vor. „Natürlich haben sie nicht immer so eine Beweglichkeit, wir müssen vorsichtig sein.“ Manche sitzen im Rollstuhl, andere können noch ihre Discofox-Drehungen. Aber alle haben Spaß, das Wichtigste für Tanzprofi Hull: „Tanzen ist etwas für Menschen jeden Alters. Auch für Menschen, die ein Leiden haben, Menschen mit Handicap.“

Sie zu bewegen, sei eines der Anliegen der Patsy & Michael Hull Foundation, die bundesweit inklusive Musicals auf die Bühne brachte. Das Tanzen zeige neue Ziele und neues Selbstbewusstsein auf. „Betroffene können über die Grenzen, die sie täglich haben, hinausgehen.“ Tanzen sei „eine Art Medizin“. Zusammen mit bekannter Musik helfe es, geistige Fähigkeiten zu erhalten: „Was Menschen von früher kannten, wird wieder aufgefrischt“.

Abwechslung und Spaß

Sie genieße die Gesellschaft und die Abwechslung, sagte die aus Schlesien stammende Anneliese Schrutek in der Tanzrunde. Der langsame Walzer ist für sie ein Klassiker. Berta Kleine-Ausberg ist mit ihren Geschwistern auf einem Hof im emsländischen Sögel aufgewachsen. Tanzen habe sie erst später gelernt: „Aber wir haben viel gesungen, zum Beispiel, wenn meine Schwester und ich die Kühe gemolken haben.“ Die Tiere habe das beruhigt. Zum Sommerfest des St.-Franziskus-Hauses mit insgesamt 60 Bewohnern wurde zuletzt jedenfalls ausgiebiger als sonst getanzt, erzählte der Geschäftsführer.


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