Geschichte

DIE GESCHICHTE DER TANZSCHULE HULL

Die Tanzschule Hull in Osnabrück gehört wie selbstverständlich zur Stadt und ist über den Landkreis hinaus bekannt. Wenn in einigen Punkten vielleicht auch etwas glamouröser als andere, ist sie dennoch ein typisches mittelständisches Familienunternehmen in Deutschland. Wenn man es ganz genau nimmt, wurde ihr Grundstein aber eigentlich im weit entfernten Singapur gelegt. 1948 begegneten sich dort bei der Royal Air Force nämlich die lebensfrohe und tanzbegeisterte Maureen und der charmante Flieger Pat Hull. Und man könnte sagen, hier beginnt die Geschichte der Tanzschule in Osnabrück. Denn nachdem die beiden mehrmals gemeinsam das Tanzbein geschwungen hatten, standen für sie zwei Dinge fest: erstens, dass sie als Tanzpaar glänzend harmonierten und zweitens, dass sie auch abseits des Parketts ein Paar sein wollten. Aus dieser Erkenntnis gingen nicht nur die drei Kinder Damian, Patsy und Michael hervor, sondern später auch die Tanzschule Hull in Osnabrück.

Die fernöstliche Episode der Familie Hull endete 1959, als Major Pat Hull als Fluglehrer und Prüfer zur damals noch sehr jungen Bundeswehr nach Deutschland abkommandiert wurde. Wie für eine Soldatenfamilie üblich, folgten noch weitere Standortwechsel, bevor die Hulls in Diepholz ein Zuhause und schnell Anschluss an den örtlichen Tanzclub fanden. Dessen Mitglieder unterstützte das Ehepaar Hull so begeistert und sachkundig, dass Pat und Maureen sich 1962 in der Spitzenklasse der Seniorenpaare der BRD auf den dritten Platz tanzten.

Kurz darauf musste die Familie berufsbedingt jedoch wiederum Abschied nehmen. Für einige Zeit war Großbritannien das Zuhause der Hulls, wo Pat als Transportflieger arbeitete und sich nebenbei mit Maureen auf die Tanzlehrerprüfung vorbereitete. Aus dieser Zeit wird berichtet, dass sich vor allem Pat immer öfter nach einem schönen Osnabrücker Pils sehnte. Ob diese Sehnsucht nun der ausschlaggebende Grund für den Aufbruch war, ist nicht bekannt – jedenfalls packten die Hulls 1966 ihre Siebensachen, zogen nach Osnabrück in „good old Germany“ und etablierten sich mit ihrer Tanzschule zuerst im traditionsreichen Lortzinghaus an der Katharinenkirche.

Aller Anfang ist oft schwer und so war auch der Beginn der Tanzschule Hull mehr als bescheiden: anfangs wurde ein Saal für zwei Stunden in der Woche gebucht, in denen die Hulls zwei Paare, ihre einzigen Tanzschüler, unterrichteten. Doch mit der Zeit wuchs die Schar der Anhänger, bis die Hulls eines Tages das ganze Haus mieteten und schließlich auch alle Räume des Lortzinghauses nicht mehr ausreichten, um den vielen tanzbegeisterten Osnabrückern genügend Platz zu bieten.

Eine naheliegende und – wie sich später herausstellen sollte – effektvolle Form des Babysittens war für das Ehepaar Hull schon immer, ihre Kinder beim Tanzen einfach mitzunehmen. Dieser frühe Kontakt mit dem Tanzen und der netten Gesellschaft trug aussichtsreiche Früchte: Damian und Patsy, die beiden älteren Geschwister, schlossen wie ihre Eltern die Tanzlehrerausbildung ab und wurden beide im Profitanzsport erfolgreich. Auch das Nesthäkchen Michael folgte später ihrem Beispiel. Wie bei diesem Familienerbe eigentlich nicht anders zu erwarten, entschloss auch er sich, sein Leben tanzend zu meistern.

1974 stand wieder ein Umzug an. Diesmal allerdings innerhalb Osnabrücks. Die florierende Tanzschule brauchte einfach mehr Raum. Zuerst mieteten sich die Hulls übergangsweise noch in anderen Sälen ein, bevor das ehemalige Bäckereihaus Blanke umgebaut und neue Heimat der Tanzschule Hull wurde. Wie sehr ihr das Gelingen des Familienunternehmens am Herzen lag, zeigte Mutter Maureen unmissverständlich, als sie am Tag vor der Eröffnung kurzerhand die Maler im Haus einsperrte, damit diese ihre Arbeit auch ganz bestimmt zu Ende brachten. Die Verzweiflungstat war von Erfolg gekrönt: alle Renovierungs- und Umbaumaßnahmen wurden rechtzeitig abgeschlossen.

Heute tanzen Familie Hull und ihre Freunde nicht nur in Osnabrück, sondern auch in Georgsmarienhütte und Lübbecke. Möglich wurde diese Erfolgsgeschichte nur durch eine große Liebe zum Tanz und die Unterstützung eines wachsenden Netzwerks aus Freunden und Unterstützern. Um es mit Pat und Maureen zu sagen: „ Wer tanzt, findet Freunde.“